Jürgen Schadeberg

Schadeberg: Ich habe in Johannesburg als freier Fotograf Arbeit gesucht. Einfach war das nicht. Südafrika hatte keine Geschichte der dokumentarischen Fotografie. Ich habe mich bei „The Star“, eine der größten Tageszeitungen Südafrikas, vorgestellt. Der Bildredakteur guckte mich an, guckte meine Leica an und sagte: „If you are coming to Southafrica with that miniature camera you haven’t got a hope and hell of ever getting a job“.
LFI: Dokumentarfotografie war in Südafrika also völlig unbekannt. Es gab keine Reportagen über soziale Themen …
Schadeberg: … oder über Schwarze.
LFI: Aber durch das „Drum“ hat sich das verändert. Es wurde zum Sprachrohr schwarzer Südafrikaner in der Apartheid-Ära. (...)

1985 kehrt Schadeberg mit seiner Frau Claudia nach Südafrika zurück. Und plötzlich stecken Schadeberg und Jozi mittendrin im Ende der Apartheid. Tausende Schwarze aus umliegenden Townships kommen mit all ihren Hoffnungen, ziehen in die von Weißen verlassenen Ruinen der Skyscraper, leben isoliert im rechtsfreien Raum. Schadeberg: „Über 300 Hochhäuser sind besetzt. Die Familien hier sind oft ohne Arbeit. An der Universität gibt es ein Department, das mit diesen Leuten vor Gericht geht. Der Staat will sie rausschmeißen, bietet ihnen aber keine Alternative.“
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